Schon wieder krank im Busch

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Es ist keine gute Idee gewesen, gleich wieder in den Park zurückzukehren: Die Übung geht nach der Reise einen halben Tag lang gut – am Abend dann der Dämpfer; mir ist wieder kalt. Mein erster Tipp lautet, das Mückenfieber ist zurückgekehrt. Langsam reicht’s mir mit diesen Tropen-Viechern und ihren Krankheiten. Darum werfe ich mir gleich die Akutdosis Malarone ein. Die sollen sich noch wundern, mit wie viel Chemie ich gegen sie vorgehen werde! So steigere ich mich rein in die Zuversicht, dass am Nächsten Morgen alles wieder vorbei sein werde – nur ein kleiner Rückfall halt und ich danach wieder angriffslustig wie eh und je.

Natürlich kommt es anders: Mit Mühe schleppe ich mich am nächsten Morgen noch bis zum Campingtisch mit dem Morgenessen, um Christoph Bescheid zu geben. Er hat heute extra Eier gekocht. Aber mir ist grad nicht nach Essen zu Mute – eher nach liegen und nicht zu laut denken. Christoph meint, in dem Fall könne ich am Mittag mit David, dem Fahrer des CFLs zurück ins Ausbildungszentrum fahren, um mich dort zu erholen. So dankbar wie es mein Zustand erlaubt, ziehe ich mich in meine Schlafgelegenheit zurück, drei Schaumstoffstücke, die mit einem Leintuch zusammengehalten werden unter einem grossen Mückennetz aufgespannt zwischen zwei Büschen.

Ich weiss, dass ich hier bis zum Mittag vor der unerbittlichen Tropen-Sonne sicher bin. Hoffentlich kommt David nicht zu spät, sonst muss ich noch meinen Schlafplatz verlegen und Aufstehen und Schritte tun würde ich heute am liebsten vermeiden. Eigentlich wäre es gut, trotzdem was Kleines zu essen oder zumindest viel zu trinken. Aber liegen allein ist qualvoll genug – ein Kampf im Liegen gegen die Zeit, ausgerechnet ich, der lieber im Stehen kämpft. Als ich den Harndrang nicht mehr länger hinauszögern kann, stehe ich dann doch auf.

Der Chef ist so nett und macht mir im Frachtcontainer auf dem Kaffeekocher eine Bouillon. Danach bin ich so erschöpft, dass ich mich an Ort und Stelle auf den staubig-dreckigen Containerboden lege – den Kopf auf einen Schaumstoffschwamm der dort im Gestell liegt. Es kommt ein Lehrling, der mich anweist, ich müsse jetzt zu Gott beten. Genau das brauche ich jetzt noch, einer der mich bekehren will! Sieht der nicht, dass ich grad andere Probleme hab!? Am liebsten würde ich ihn anschreien, er soll mich mit seinem Gott in Ruhe lassen und verschwinden.

Aber ich bin einfach zu schwach dafür und die Diskussion, die es provoziert hätte. Darum bleibe ich auf der diplomatischen Schiene, die ich bisher in Afrika noch nie verlassen habe. Er habe natürlich recht mit knappen Antworten und so. Zum Glück zieht er nachher ab. Dies ist etwas, was mir immer wieder auffällt, seit ich in Afrika bin: Wenn es um die Religion geht, werden die Leute hier gedanklich höchst unflexibel. Die gehen in Ihrem Glauben so weit, dass sie manchmal die gesamte Verantwortung an den Herrn abschieben. Dies äussert sich dann zum Beispiel in morgendlichen Gebeten für kaputte Autokupplungen.

Ich meine, wenn ich Gott wäre und die kämen mit ihren kaputten Autokupplungen zu mir, ich würde ihnen sagen: Wisst ihr was, Jungs, jetzt flickt ihr euren Scheiss mal selber! Denkt ihr ich habe Zeit für diesen Scheiss!? Und warum hab’ ich euch wohl auf die Erde geschickt!? Sicher nicht, dass ihr mir täglich sagt, wie dankbar ihr für das Leben seid – ich es aber dann bin, der alle eure irdischen Probleme lösen muss! Das ist in plakativen Worten meine Hauptkritik an der Art, wie der Glaube hier gelebt wird. Täglich in die Kirche gehen und immer wieder die alte Leier: «Hilf uns Herr, denn wir sind schwach!» Wie soll sich so jemals etwas ändern?

Ich bin ja kein Spezialist auf dem Gebiet – trotzdem bin ich überzeugt davon, dass mir das grössere Ganze dann wohlgesinnt ist, wenn ich für meine Probleme Verantwortung übernehme und entsprechend handle: «Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.» In diesem Sinn, glaube ich fest daran, dass es wichtiger ist, was wir aus dem Geschenk des Lebens machen, als dem Herrn täglich dafür in die Kirche danken zu gehen. Jedes Mal wenn ich gefragt werde, weshalb ich nicht in die Kirche gehe sage ich deshalb: Ich glaube an Gott, indem ich täglich versuche für eine gute Sache hart zu arbeiten.

Das Warten zieht sich hin, David taucht nicht wie erwartet am Mittag auf, auch nicht am Nachmittag. Mein Zustand ist zwar übel, aber einigermassen stabil. Um 16 Uhr beschliesst Christoph, mich nach Hause zu fahren. Als wir wieder Empfang haben, erfahren wir, dass David eine Panne hatte; einer der Stossdämpfer der Camionette ist unterwegs gebrochen. In der nächsten Stadt kaufen wir ein Coca Cola, dies hilft wie bereits letztes Mal enorm. Der Bluttest im Spital in Natitingou zeigt tiefe weisse Blutkörper und erhöhte Entzündungswerte.

Sowohl Malaria, Typhus und das Denguefieber können ausgeschlossen werden. Wahrscheinlich habe ich eine bakterielle Infektion der Verdauung. Deshalb muss ich eine Woche lang starke Antibiotika nehmen. Das Problem in den Tropen ist, die Käfer sind aufgrund der fehlenden Kälte und der starken Hitze widerstandsfähiger als in Europa. Deshalb braucht es stärkere Antibiotika und deshalb sind Europäer hier oft krankheitsanfällig. Zum Glück normalisieren sich beide Werte wieder innerhalb einer Woche. Seit gestern arbeite ich wieder und am Montag möchte ich wieder in den Park. Danke für’s Lesen.

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